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Neues Denkmal soll an einen grausamen Mord erinnern

Der Mord an dem Strafgefangenen Emil Walter Köster in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs auf dem Friedhof in Ihrhove ist inzwischen genau 80 Jahre her. Doch trotzdem können sich einige Zeitzeugen noch sehr genau an die Geschehnisse von damals erinnern. Erforscht und zusammengetragen wurden die Hintergründe zu der Tat von dem Regionalhistoriker Hermann Adams in der Dokumentation „Erschossen am 18. April 1945 in Ihrhove – Westoverledingen“.

Emil Walter Köster wurde während des Zweiten Weltkriegs wegen seiner Homosexualität verurteilt und im Straflager Esterwegen inhaftiert. Als im April 1945 die Emslandlager wegen der anrückenden Front geräumt werden mussten, gelang ihm auf einem Fußmarsch nach Leer die Flucht. Erschöpft und ausgehungert wurde er im Ihrhover Hammrich aufgefunden und in das Ihrhover Feuerwehrhaus eingesperrt. Am 18. April 1945 brachten zwei Wachmänner des Lagers Aschendorfermoor, die in Westoverledingen wohnten, Köster mit einer Zweiradkarre zum Friedhof in Ihrhove, um ihn dort zu erschießen.

Die Nachkommen eines der beiden damaligen Täter wandten sich im vergangenen Jahr an die Gemeinde Westoverledingen, um gemeinsam einen Ort zu schaffen, der an die Tat erinnert. „Es ist sehr besonders, dass gerade die Täterfamilie sich mit einem Brief an mich als Bürgermeister wandte und sich gegen das Vergessen der Tat einsetzte“, erklärt Bürgermeister Theo Douwes. „Da es bereits vor einigen Jahren - kurz nach Erscheinen des Buchs von Hermann Adams - Pläne für eine Erinnerungstafel gab, wurden die Gespräche mit der reformierten Kirche wieder aufgenommen“, so Douwes.

Gemeinsam mit Mitgliedern des Kirchenrates entstand eine konstruktive Zusammenarbeit und schließlich ein Denkmal bestehend aus fünf verschiedenen Reliefs, die der Leeraner Bildhauer Gerd Christmann erstellt hat. Mitarbeiter des Bauhofs haben das Denkmal auf dem Gelände des Friedhofes errichtet.

„Wichtig zu betonen ist, dass es während der NS-Zeit im Overledingerland zu vielen vergleichbaren Verbrechen kam. Mit dem Denkmal soll stellvertretend auch an alle ähnlichen Schicksale erinnert werden“, ergänzt Theo Douwes.

Am Karfreitag, den 18. April 2025 um 14 Uhr, dem 80. Jahrestag der Tat, soll das Denkmal für Emil Walter Köster auf dem ev.-ref. Friedhof Ihrhove (Ihrener Straße 48a) eingeweiht werden. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. An der Einweihungsfeier werden voraussichtlich neben dem Landrat Matthias Groote und Vertretern der Kommunalpolitik auch die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann sowie der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg teilnehmen. Die Feier wird musikalisch von Posaunenchor der ev.-ref. Kirche Ihrhove begleitet. Anschließend wird im „Kleinen Campus“ eine Ausstellung des Schulzentrums Collhusen gezeigt, in der verschiedene selbst entworfene Denkmäler von Schülerinnen und Schülern des 10. Jahrgangs präsentiert werden.

Die Dokumentation „Erschossen am 18. April 1945 in Ihrhove – Westoverledingen“ von Hermann Adams ist zum Preis von 11,90 Euro bei der Buchhandlung Fokken und im Rathaus der Gemeinde Westoverledingen erhältlich.